Bundesrat als föderales Korrektiv: Tiroler Landeshauptmann warnt vor Abschaffung

13.03.2026


Die Debatte um die Zukunft des österreichischen Bundesrats hat sich diese Woche deutlich zugespitzt. Auslöser war ein Vorstoß der NEOS, die Länderkammer des Parlaments nach einer Klubklausur gänzlich abschaffen zu wollen. In der Bundesratssitzung am Donnerstag prallten die Positionen offen aufeinander, begleitet von Zwischenrufen und scharfer Kritik an der kleinsten der drei Regierungsparteien. Bundesratspräsident Markus Stotter bezeichnete die Forderung als „höchst problematisch“ und stellte klar, dass sich die Bundesräte nicht selbst abschaffen lassen wollen.

Besonders deutlich wurde der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle, der aktuell sowohl den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz als auch – über Tirol – eine zentrale Rolle im Bundesrat innehat. Er warf den NEOS „reinen Populismus“ vor und argumentierte, ohne Bundesrat fehle ein föderales Korrektiv im Gesetzgebungsprozess. Wer die Länderkammer beseitigen und damit die Bundesländer schwächen wolle, beschädige Parlamentarismus und eine werteorientierte Demokratie, sagte Mattle. Die Struktur von Bund, Ländern und Gemeinden genieße in der Bevölkerung eine klare Mehrheit, betonte er.

Stotter unterstrich in der Debatte die verfassungsrechtliche Funktion des Bundesrats. Die Kammer sei das einzige Organ auf Bundesebene, das die Interessen der Länder unmittelbar in den Gesetzgebungsprozess einbringe. Darüber hinaus verwies er auf die Rolle des Gremiums bei der Wahrung regionaler Interessen und auf das umfassende Kontrollrecht gegenüber der Bundesregierung. Wer den Bundesrat als „wesentlichen Bestandteil des demokratischen Systems“ in Frage stelle, schwäche nicht nur den Föderalismus, sondern die institutionelle Balance der gesamten Republik, so der Bundesratspräsident.

In einer Erklärung unter dem Titel „Bergauf für Österreich“ umriss Mattle zugleich die Schwerpunkte der Landeshauptleutekonferenz unter Tiroler Vorsitz. Neben der Verteidigung der föderalen Strukturen nannte er Wettbewerbsfähigkeit sowie das Ehrenamt als zentrale Themen. Während die NEOS ihren Vorstoß als Modernisierungsschritt verstanden wissen wollen, dominierte in der Sitzung das Bild einer Länderkammer, die ihre eigene Relevanz betont und vor einem Systemumbau ohne klares Alternativmodell warnt. Ob aus der medial angestoßenen Debatte konkrete Reformvorschläge erwachsen, bleibt vorerst offen – die politische Frontstellung ist jedoch klar gezogen.

Recommended news

Rechnungshof kritisiert Risikomanagement der BIG beim Projekt Vienna Twentytwo

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) sieht sich nach einem gemeinsamen Großprojekt mit der Signa-Unternehmensgruppe mit deutlichen finanziellen Belastungen konfrontiert. Wie aus einem aktuellen Bericht des Rechnungshofs hervorgeht, haben sich die Errichtungskosten für das Immobilienprojekt...

Read more


Tourismus und Pendler im Fokus: Neue Akku-Züge für Niederösterreichs Nebenbahnen

Niederösterreich treibt die Elektrifizierung seines Regionalverkehrs mit Batterietechnik voran. Mobilitätsminister Peter Hanke, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Verkehrslandesrat Udo Landbauer haben die Finanzierung von sieben weiteren Akkutriebzügen für die Regionalbahnen des...

Read more


Strategiewechsel bei Meridiana: Silber-Minen und neuer Verwaltungsrat

Meridiana Capital Markets SE prüft den Einstieg in ein Portfolio historischer Silberminen in Norwegen und stellt damit eine strategische Erweiterung ihres bisherigen Geschäftsmodells in Aussicht. Das in Hamburg ansässige Unternehmen mit der Wertpapierkennnummer A30U9U und der ISIN...

Read more


Spritpreise in Österreich steigen erneut – Superbenzin nähert sich 1,74 Euro

Autofahrer in Österreich müssen weiter mit hohen Treibstoffkosten leben. Laut dem Spritpreisrechner der Regulierungsbehörde E-Control kostete ein Liter Diesel am Donnerstag im österreichweiten Schnitt 1,939 Euro und damit exakt so viel wie am Vortag. Der Durchschnittspreis für Superbenzin zog...

Read more


Wien macht seine Bahnhofsvorplätze klimafit und grüner

Wien treibt die Klimaanpassung an stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten voran und stellt weitere Bahnhofsvorplätze von Asphalt auf Grün um. Im Rahmen der stadtweiten Offensive „Raus aus dem Asphalt“ werden graue, versiegelte Flächen vor Bahnhöfen systematisch entsiegelt, begrünt und als...

Read more